Batteriespeicher im Gewerbe: Wann lohnt er sich?
Ein Speicher erzeugt keine Energie. Er verschiebt sie. Ob sich diese Verschiebung rechnet, entscheidet sich nicht an der Technik, sondern am Verbrauchsverlauf des Unternehmens.
5 Minuten für Geschäftsführer
Wenn Sie hier aufhören zu lesen, haben Sie das Wesentliche. Der Text darunter erklärt, wie die einzelnen Punkte zusammenhängen und wie Sie sie im eigenen Unternehmen prüfen.
- Thema
- Batteriespeicher im gewerblichen Einsatz
- Die Frage
- Wann lohnt sich die Investition in einen Speicher — und wann nicht?
- Kurzantwort
- Ein Speicher lohnt sich dann, wenn Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderfallen und der eingespeiste Überschuss deutlich schlechter vergütet wird als der bezogene Strom kostet. Er kann sich zusätzlich lohnen, wenn kurze Lastspitzen die Netzentgelte spürbar erhöhen. Er lohnt sich nicht, wenn der Betrieb den erzeugten Strom ohnehin zeitgleich verbraucht.
- Relevant, wenn
- Ihre Eigenerzeugung mittags über dem Verbrauch liegt, der Betrieb morgens und abends Lastspitzen erzeugt oder Sie in Schichten arbeiten, die nicht zum Sonnenverlauf passen.
- Nicht relevant, wenn
- Ihr Betrieb tagsüber nahezu die gesamte Eigenerzeugung selbst verbraucht oder die Erzeugungsanlage ohnehin klein gegenüber dem Grundverbrauch ausgelegt ist.
- Entscheidungsfaktor
- Lastprofil, Strompreis- und Netzentgeltstruktur, Investitionsalternative.
Was ein Speicher leistet — und was nicht
Ein Speicher erzeugt keine einzige Kilowattstunde zusätzlich — er verschiebt sie in eine Stunde, in der sie mehr wert ist.
- Der Ertrag ist die Differenz zwischen dem Arbeitspreis für bezogenen Strom und der Vergütung für eingespeisten Strom.
- Die Eigenverbrauchsquote — der Anteil der selbst erzeugten Energie, der im Betrieb bleibt — entscheidet, wie oft diese Differenz überhaupt anfällt.
- Fallen Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammen, gibt es keine Lücke und damit nichts zu verschieben.
Was ein Batteriespeicher tatsächlich leistet
Ein Batteriespeicher ist keine Energiequelle. Er produziert keine einzige Kilowattstunde zusätzlich. Er nimmt Energie auf, wenn mehr davon vorhanden ist, als gerade gebraucht wird, und gibt sie später wieder ab. Sein einziger wirtschaftlicher Nutzen liegt also darin, den Zeitpunkt der Nutzung zu verändern — nicht die Menge.
Daraus folgt eine einfache, aber häufig übersehene Konsequenz: Ein Speicher kann nur dann Geld einbringen, wenn eine Kilowattstunde zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedlich viel wert ist. Genau das ist im Gewerbe regelmäßig der Fall. Der Strom, den Sie aus dem Netz beziehen, kostet Sie in aller Regel deutlich mehr, als Sie für eingespeisten Überschussstrom vergütet bekommen. Diese Differenz ist der eigentliche Ertrag eines Speichers. Sie ist die Größe, die Sie kennen müssen, bevor Sie über Kapazitäten sprechen.
Ein zweiter Effekt kommt hinzu, der im privaten Bereich kaum eine Rolle spielt, im Gewerbe dagegen erheblich sein kann: die Reduktion kurzzeitiger Leistungsspitzen. Dazu weiter unten mehr.
Die Eigenverbrauchsquote ist der Haupthebel
Die Eigenverbrauchsquote beschreibt, welcher Anteil der selbst erzeugten Energie im eigenen Betrieb verbraucht wird — statt ins Netz zu fließen. Sie ist die zentrale Kennzahl jeder Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, weil jede selbst verbrauchte Kilowattstunde einen Netzbezug ersetzt und damit den vollen Arbeitspreis einspart.
Ob diese Quote hoch oder niedrig ausfällt, hängt fast ausschließlich vom Lastprofil ab. Das Lastprofil ist die zeitliche Darstellung Ihres Stromverbrauchs über Tag, Woche und Jahr — also die Antwort auf die Frage, wann in Ihrem Betrieb wie viel Leistung abgerufen wird. Ein Unternehmen, dessen Produktion von morgens bis in den späten Nachmittag durchläuft, verbraucht den Solarstrom weitgehend zeitgleich und erreicht auch ohne Speicher eine hohe Eigenverbrauchsquote. Ein Handwerksbetrieb, dessen Fahrzeuge und Maschinen morgens ausrücken und abends zurückkehren, hat genau umgekehrte Verhältnisse: Erzeugung und Verbrauch fallen zeitlich auseinander.
Der Speicher ist damit kein Produkt, das man einem Unternehmen zuordnet, sondern eine Antwort auf eine Lücke. Existiert die Lücke nicht, gibt es auch nichts zu verschieben.
Wo die Lücke entsteht, die ein Speicher schließen soll
Lastspitzenkappung — auch ohne eigene Erzeugung
Ein Speicher kann Geld einsparen, ohne dass eine einzige Solarzelle im Spiel ist — indem er die höchste gemessene Leistung kappt.
- Manche Netzentgelte berechnen zusätzlich die höchste kurzzeitige Leistung, nicht nur die verbrauchte Menge.
- Lastspitzenkappung, auch Peak Shaving genannt, heißt: Der Speicher liefert genau im Moment der Spitze.
- Drei Prüfschritte klären, ob dieser Hebel im eigenen Betrieb überhaupt greift.
Größere Gewerbekunden zahlen ihren Strom nicht allein nach verbrauchter Menge. In bestimmten Netzentgeltstrukturen wird zusätzlich die höchste im Abrechnungszeitraum gemessene Leistung berechnet — also die kurzzeitige Spitze, nicht der Durchschnitt. Ein einziger Moment, in dem mehrere leistungsstarke Verbraucher gleichzeitig anlaufen, kann diese Kennzahl für einen langen Zeitraum festsetzen.
Hier kann ein Speicher wirken, ohne dass überhaupt eine Erzeugungsanlage im Spiel sein muss: Er stellt in dem Moment Leistung bereit, in dem die Spitze entstehen würde, und kappt sie damit. Dieses Verfahren wird als Lastspitzenkappung oder Peak Shaving bezeichnet. Wirtschaftlich relevant wird es dann, wenn Ihr Tarif einen nennenswerten Leistungsanteil enthält und die Spitzen kurz, aber hoch sind.
- Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Abrechnung überhaupt einen Leistungspreis enthält.
- Prüfen Sie, wie oft und wie lange Spitzen auftreten — Dauer entscheidet über die nötige Kapazität.
- Prüfen Sie, ob die Spitzen technisch auch organisatorisch entschärft werden könnten, etwa durch versetztes Anfahren von Anlagen. Das ist häufig die günstigere Lösung.
Ein Speicher rechnet sich nicht über seine Kapazität, sondern über die Zahl der Kilowattstunden, die er im Jahr tatsächlich verschiebt.
Deshalb ist die kleinere Auslegung, die täglich arbeitet, der größeren häufig überlegen — und deshalb steht am Anfang die Messung, nicht das Angebot.
Die Größe folgt dem Verbrauch, nicht dem Dach
Wer bei der Dachfläche beginnt, rechnet von hinten: Die belastbare Reihenfolge lautet Verbrauchsverlauf, dann Speichergröße, dann Erzeugungsleistung.
- Kapital, das weder direkt verbraucht noch sinnvoll zwischengespeichert wird, verbessert keine Bilanz.
- Sieben Größen gehören in eine vollständige Wirtschaftlichkeitsrechnung — Anschaffungspreis ist nur eine davon.
- Ein Vorhaben ist nicht schon deshalb gut, weil es sich rechnet: Es muss sich gegen die Alternativverwendung behaupten.
Die Auslegung folgt dem Verbrauch, nicht dem Dach
In Angeboten wird die Speichergröße häufig aus der Größe der Photovoltaikanlage abgeleitet, und die wiederum aus der verfügbaren Dachfläche. Das ist eine bequeme, aber wirtschaftlich unbrauchbare Reihenfolge. Sie beginnt bei dem, was baulich möglich ist, statt bei dem, was betrieblich gebraucht wird.
Die belastbare Reihenfolge lautet umgekehrt: Zuerst wird der Verbrauchsverlauf gemessen. Daraus ergibt sich, wie viel Energie regelmäßig über den Tag hinweg verschoben werden müsste. Daraus wiederum ergibt sich die sinnvolle Speichergröße — und erst daraus die passende Erzeugungsleistung. Eine Anlage, deren Ertrag Sie weder direkt verbrauchen noch sinnvoll zwischenspeichern können, verbessert Ihre Bilanz nicht, sondern bindet Kapital.
Was in eine Wirtschaftlichkeitsrechnung gehört
Eine Investition in einen Speicher konkurriert mit jeder anderen Investition im Unternehmen — mit einer Maschine, einem Fahrzeug, einer Stelle. Sie sollte deshalb nach denselben Maßstäben beurteilt werden. Eine Rechnung, die nur Anschaffungspreis und eingesparte Strommenge gegenüberstellt, ist unvollständig.
- Investition (CAPEX): Speicher, Umrichter, Anschluss, Aufstellung, Brandschutz, Planung und Inbetriebnahme — nicht nur der Batteriepreis.
- Betriebskosten (OPEX): Wartung, Versicherung, Monitoring, Umwandlungsverluste beim Laden und Entladen.
- Lebensdauer und Zyklen: Speicher altern kalendarisch und durch Nutzung. Eine Auslegung, die nur wenige Zyklen im Jahr erreicht, amortisiert sich schlechter als eine kleinere, die täglich arbeitet.
- Finanzierung: Eigenkapital, Kredit oder Leasing verändern die Rechnung erheblich — und damit auch die Frage, ab wann sich das Vorhaben trägt.
- Amortisation: der Zeitpunkt, ab dem die Einsparungen die Investition ausgeglichen haben.
- Kapitalrendite: das Verhältnis von jährlichem Ertrag zu eingesetztem Kapital — die Zahl, die einen Vergleich mit anderen Vorhaben erst möglich macht.
- Alternative Kapitalverwendung: Was würde dasselbe Kapital in einer anderen Verwendung erwirtschaften? Ein Vorhaben ist nicht schon deshalb gut, weil es sich rechnet.
Worauf sich die Entscheidung herunterbrechen lässt
Drei Fehler — und sechs Schritte dagegen
Die drei häufigsten Fehler entstehen alle vor der ersten Rechnung — bei der Datengrundlage und bei der Begründung.
- Zu groß dimensioniert: mehr Kapazität bedeutet nicht mehr Arbeit für den Speicher.
- Ohne Lastgang geplant: Die Jahresmenge ist bekannt, der Verlauf nicht — der Rest ist Schätzung.
- Förderung als Grund genommen statt als Verbesserung einer Rechnung, die ohnehin trägt.
Drei Fehler, die regelmäßig auftreten
Zu groß dimensionieren
Der häufigste Fehler. Ein größerer Speicher kostet mehr, arbeitet aber nicht zwangsläufig mehr. Wird nur ein Teil der Kapazität regelmäßig genutzt, sinkt die Rendite pro investiertem Euro. Häufig ist die kleinere Auslegung mit vielen Zyklen die wirtschaftlich bessere.
Ohne belastbare Verbrauchsdaten planen
Jahresverbrauch und Stromrechnung reichen nicht aus. Sie zeigen die Menge, nicht den Verlauf. Ohne zeitlich aufgelöste Messwerte ist jede Aussage über Eigenverbrauch und Lastspitzen eine Schätzung — und Schätzungen fallen erfahrungsgemäß zugunsten des Angebots aus.
Förderung als alleinigen Grund nehmen
Eine Förderung verbessert eine Rechnung, die bereits trägt. Sie ersetzt sie nicht. Wenn ein Vorhaben ohne Zuschuss nicht sinnvoll ist, wird es durch einen Zuschuss selten sinnvoll — es wird nur weniger teuer. Prüfen Sie deshalb immer zuerst den Fall ohne Förderung.
Wie Sie das in Ihrem Unternehmen prüfen
- Lastgang beschaffen. Fragen Sie bei Ihrem Netzbetreiber oder Lieferanten die zeitlich aufgelösten Verbrauchsdaten an. Liegen keine vor, lässt sich eine Messung über einige Wochen nachrüsten.
- Tarifstruktur klären. Enthält Ihre Abrechnung einen Leistungspreis? Wie hoch ist der Arbeitspreis, wie hoch die Vergütung für eingespeisten Strom? Aus dieser Differenz entsteht der Ertrag.
- Eigenverbrauch ohne Speicher berechnen. Erst wenn Sie wissen, wie viel Sie ohne Speicher direkt verbrauchen, kennen Sie die Lücke, die er schließen soll.
- Varianten rechnen. Mindestens: ohne Speicher, mit kleiner Auslegung, mit größerer Auslegung. Jeweils mit Amortisation und Kapitalrendite.
- Organisatorische Alternativen prüfen. Manche Lastspitze verschwindet durch eine geänderte Reihenfolge im Anfahrprozess — ohne jede Investition.
- Gegen die Alternativverwendung stellen. Vergleichen Sie die beste Speichervariante mit dem, was dasselbe Kapital an anderer Stelle im Unternehmen leisten würde.
Am Ende dieser sechs Schritte steht keine Produktentscheidung, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Häufig lautet das Ergebnis: kleiner als angeboten. Manchmal: vorerst gar nicht. Beides ist ein brauchbares Ergebnis — und in beiden Fällen wissen Sie, warum.
Hat ein Speicher in Ihrem Betrieb etwas zu verschieben?
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